Krankhaftes Schwitzen

Therapie des krankhaften Schwitzens (der Hyperhidrosis) mit Botulinumtoxin A

Unter Hyperhidrosis versteht man ein krankhaft gesteigertes Schwitzen in bestimmten Körperregionen wie zum Beispiel im Gesicht, auch in Teilen des Gesichtes, am Nacken, in den Achselhöhlen, in der Brustbeingegend, in der Anal- und Genitalregion und häufig auch an den Handflächen und Fußsohlen.

Herkömmliche Behandlungsmethoden sind örtlich anzuwendende Puder und Cremes, vegetativ beruhigende Medikamente, auch Parkinsonmedikamente, sowie Entspannungstechniken und Psychotherapie. Die örtlichen Anwendungen gewähren bei starker Schweißneigung keinen ausreichenden Schutz. Mit Medikamenten kann man allenfalls in 50% der Fälle eine gewisse Linderung erzielen. In der Regel sind die Patienten mit dem bescheidenen Teilerfolg nicht zufrieden. Psychotherapie und Entspannungstechniken können in begrenztem Maße helfen. In der Regel helfen sie nur bei einer generalisierten Hyperhidrosis, nicht bei einer lokal auftretenden Hyperhidrosis.

Mit Botulinumtoxin A steht ein neues Verfahren zur Verfügung, welches gezielt und effektiv die Aktivität der ekkrinen Schweißdrüsen reduziert. Die apokrinen Drüsen bleiben unbeeinflusst, das heisst, die Schweißmenge wird reduziert, aber die Geruchsbildung ist weiterhin möglich. Diese Wirkung hält mindestens vier bis sechs Monate, in vielen Fällen bis neun Monate vor.

Der Wirkstoff des Medikamentes Botulinumtoxin A ist ein hochgereinigtes naturliches Eiweiß von besonderen Bakterien. Das Medikament wird in einem Raster von 1,5 cm Abstand in die betroffene Hautregion intracutan gespritzt, wo es gezielt die Tätigkeit der ekkrinen Drüsen blockiert. Für größere Hautareale ist somit eine große Zahl von einzelnen Injektionen erforderlich. Vor dieser Therapie können örtlich betäubende Salben oder Injektionen verabreicht werden, um die Einstiche so wenig schmerzhaft wie möglich zu machen. Zudem werden sehr dünne Injektionskanülen verwendet.

Botulinumtoxin A ist zur Behandlung von Hyperhidrosis in Deutschland zugelassen. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Behandlung jedoch nur bei extremer Ausprägung der Schweißproduktion. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es zahlreiche Arbeiten zu diesem möglichen Einsatzgebiet. Der Referent selbst hat bislang nur gute Therapieerfahrungen gemacht.

Als vorübergehende Nebenwirkungen sind bei mehreren zehntausend behandelten Patienten lediglich kleine Blutergüsse sowie eine zeitweilige übermäßige Schwächung von Muskeln an der Injektionsstelle bekannt. In sehr seltenen Fällen kann es auch zu einer Wirkung auf entfernt liegende Muskeln kommen, z.B. zu  Störungen beim Schlucken oder bei der Blasenentleerung. Im Laufe der Therapie kann es zur Bildung von Antikörpern kommen (in ca. 2% der Fälle). Dies kann dazu führen, dass Botulinumtoxin A nicht mehr wirksam ist, hat aber keine weiteren Konsequenzen.

 
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